Daheim auf 2 qm – Vom Leben im Käfig

Informationen aus allen Gemeinden - 07.02.2010, 13:07

Misereor-Ausstellung zum Menschenrecht auf Wohnen

Impressionen zur Ausstellungseröffnung in Düsseldorf - Bild: misereor.de
Ausstellungseröffnung in Düsseldorf

Leben in einem Käfig – freiwillig? In Hongkong leben über 100.000 Menschen in kleinen Käfigen, rund 20.000 von ihnen sind Kinder. Die doppelstöckigen Käfige sind oft nicht größer als zwei Quadratmeter. In ihnen findet ein ganzes Leben statt: Menschen schlafen und wachen darin, erziehen ihre Kinder, bewahren die persönliche Habe auf, - und träumen von einem Leben, das ihnen mehr Raum gibt, sich zu entfalten. Ein Zuhause, das Individualität ermöglicht oder auch nur Privatsphäre bietet, sind diese Käfige nicht. Die Käfige parzellieren teure Hochhausetagen, deren Mieten für viele unerschwinglich sind. Bis zu 100 Menschen teilen sich eine Etage in einem Hochhaus. Die Käfige dienen als einzelne Wohneinheiten. Manchmal stehen für ein Dutzend Menschen oder mehr nur eine Dusche und Toilette zur Verfügung. Gekocht wird auf ein paar alten Elektroplatten auf dem Flur oder in einem Raum, der den Namen Küche nicht verdient. Einen Kühlschrank sucht man oft vergeblich.

In der schillernden Metropole Hongkong sind ca. 1,3 Million Menschen ökonomisch und sozial an den Rand gedrängt. Häufig sind dies alte Menschen, alleinerziehende Frauen mit ihren Kindern sowie Migranten und Migrantinnen aus Festland-China. Als Folge einer fehlgeplanten Wohnbaupolitik finden insbesondere alleinstehende Menschen keinen sozialen Wohnraum. Clevere Haus- und Wohnungsbesitzer haben darin einen lukrativen Markt erkannt. Sie bestücken Wohnungen, die sonst eine einzelne Familie beherbergen würde, mit der größtmöglichen Zahl an Käfigen und vermieten sie überteuert an die, die sich nichts anderes leisten können.


Die MISEREOR-Partnerorganisation Society for Community Organization (SoCO) in Hongkong ist eine Nichtregierungsorganisation, die sich für die sogenannten „Käfigmenschen“ (cagepeople) engagiert. Neben der psychosozialen Betreuung der Betroffenen durch Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen konzentriert sich SoCO besonders auf die Menschenrechtsarbeit, Rechtsberatung und Lobbyarbeit. Mit ihren Erfahrungen und Kenntnissen ist SoCO bereits mehrfach in Genf bei Anhörungen von UN-Gremien vorstellig geworden und hat sich unter anderem für die Wohnrechte der Betroffenen eingesetzt.

Um auch eine breitere Öffentlichkeit auf die Situation der Menschen aufmerksam zu machen, hat SoCO die Situation der „Käfigmenschen“ zusammen mit professionellen Fotografen künstlerisch aufgearbeitet. Auf 16 Bannern ist ein Teil der Fotos nun auch bis Mitte des nächsten Jahres in verschiedenen Städten Deutschlands zu sehen. Weitere Bestandteile der Ausstellung sind neben den Bannern eine Foto-Installation in Originalgröße eines der Hongkonger Käfigheime sowie ein doppelstöckiger Käfig in Originalgröße.

 

Die Ausstellung ist in Wilhelmshaven noch bis 7.3.2010 in der katholischen Kirchengemeinde St. Willehad in der Bremer Str. 53 zu sehen. Öffnungszeiten: Montags 8.30–16.00 Uhr, Dienstags 8.30-16.00 Uhr, Mittwochs 8.30-14.00 Uhr, Donnerstag 8.30-16.00 Uhr und Freitags 8.30-13.00 Uhr

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