Die Legende des Hl. Tarcisius

Der Patron der Ministranten

Hl. Tarcisius von Alexandre Falguière im Museum d'Orsay
Hl. Tarcisius von Alexandre Falguière im Museum d'Orsay

Er war noch ein kleiner Junge, kaum älter als 12 Jahre, als er schon reif war für die grösste Heldentat. Früh hatte er seine Eltern verloren, wohnte bei einem reichen Onkel, der noch Heide war. Anders Tarzisius: ihn hatte Gott mitten aus seiner heidnischen Umgebung zur Wahrheit gerufen, zum Glauben. Und der kleine Tarzisius nahm es ernst, sehr ernst mit seinem Christsein. Während die anderen noch schliefen, schlich er sich über Treppen und Gänge aus dem Hause seines Onkels zum Gottesdienst. Die christliche Gemeinde Roms hielt grosse Stücke auf den eifrigen Jungen, bald vertraute man ihm das verantwortungsvolle Amt eines Türhüters in der Kirche an, damit sich kein Unbefugter zur Feier der heiligen Geheimnisse einschleiche.

Wieder hetzte man in Rom die Christen, wie schon so oft seit den Tagen des heiligen Petrus, der als erster für Christus in Rom verblutete. Im Mamertinischen Kerker schmachteten christliche Männer und Frauen, ermutigten einander, beteten, sangen Loblieder zu Gottes Ehr. Aber sie waren ohne die Stärkung des Allerheiligsten Sakramentes.

Es ist Gottesdienst in der Katakombe der Hl. Lucilla. Papst Stephan feiert selbst die Messe, predigt, fragt: "Wer ist bereit, unseren Gefangenen die Hl. Kommunion zu bringen? Nur die Jüngeren können es noch wagen, wir erwachsenen Christen sind alle verdächtig." Fest und langsam geht Tarzisius auf den Papst zu, erklärt: "Ich bin bereit, mit meinem Leben werde ich es schützen, das höchste Gut." Tags darauf kniete Tarzisius vor dem Altar. Bonus, der Priester, reichte dem Jungen das Allerheiligste, das er als Wegzehrung den Gefangenen bringen sollte. Ans Ziel kam er nicht.

Ein Sklave aus dem Hause seines Onkels hatte schon lange das Tun des Tarzisius ausspioniert, hatte irgendwie Kunde bekommen von dessen Botengang, hatte dessen heidnische Alters- und Spielgenossen auf die Spur des Gottesträgers gesetzt. Eine Aufforderung zum Spiel ist der harmlose Anfang, als sie Tarzisius eingeholt hatten. Der legt seine über der Brust gekreuzten Hände noch fester um das Allerheiligste und will weitergehen. Sie verstellen ihm den Weg und schon fällt auch die verhängnisvolle Frage: "Was hältst du so fest verborgen? Herzeigen!" Knapp und gesetzt kommt von Tarzisius die Gegenrede: "Nie und nimmer!" Eine regelrechte Rauferei hebt an, Erwachsene kommen dazu, wollen dem verzweifelt sich wehrenden Tarzisius helfen. Da fällt das Wort: "Er ist ein Christ, trägt das Geheimnis der Christen." Nun prasseln Stockschläge auf den Bekennerknaben hernieder, Steine fliegen gegen ihn. Schwer getroffen liegt Tarzisius auf dem Boden, blutet, stöhnt vor Schmerzen, aber das Geheimnis lässt er nicht los, auch dann noch nicht, als ein Stein ihn tödlich an der Schläfe getroffen hatte.

Schon war man dabei, seine immer noch fest zusammengepressten Hände zu lösen, um an das Geheimnis heranzukommen, als jemand rief: "Leichenräuber!" Die Meute stob auseinander, denn Leichenraub wurde nach dem Römischen Recht schwer bestraft. Ein Christ nahm den toten Tarzisius auf seine Schultern, trug die Leiche in die Gruft des Papstes Zephirinus. Unversehrt fand man das heiligste Sakrament. Mit seinem Leben hatte Tarzisius es geschützt. Das war im Jahre 257.